Die Chronik
der Garchinger Bauernbühne

oder
„Ich bin koa Schriftsteller, koa Poet, schreib nur auf, wiars war und wiars geht.“

Grias God, liabe Leser!

Im Sinne dieser Worte des ersten Spielleiters der Garchinger Bauernbühne möchten wir hier für Sie einen Eindruck vermitteln, wie es bei einer solchen Theatergruppe von der Gründung bis heut so zugeht. Wir hoffen Ihnen gefällt unsere Chronik und vielleicht bekommen Sie ja Lust selbst mit einzusteigen und unseren Verein vor, auf und hinter der Bühne zu bereichern.

1. Die Entstehung



Die Entstehung der Garchinger Bauernbühne ist eigentlich der Theateraufführung einiger Gymnasiasten zu verdanken. Die kleinen Verwandten Diese besagten Gymnasiasten spielten beim Neuwirt in Garching das Stück "Der Widerspenstigen Zähmung". Der Wiggerl Fuß versuchte der Gruppe einzureden, dass es wesentlich witziger wäre, ein volkstümliches Stück zu spielen. Nach dem sie dafür keinerlei Interesse zeigten, empfand er dies als Herausforderung, es selbst mit dem Theaterspielen zu probieren.
Gemeinsam mit Gustl Fuß, Liesl Bergmann, Astrid Felsner, Marion Hoffmann und Thomas Hohmann studierte er den ersten Einakter "Die kleinen Verwandten" von Ludwig Thoma ein. Einen Spielleiter gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Adi Felsner, der schon immer weit vor Probenende anwesend war um seine Tochter abzuholen, gab immer wieder Kommentare ab, die wohl durchaus gescheit waren, so wurde kurzerhand zu unserem ersten Spielleiter erkoren. Von Anfang an verschrieben wir uns den volkstümlichen bayerischen Schwänken, um den g'standenen bayerischen Dialekt nicht verkommen zu lassen. Geprobt wurde damals im Freizeitheim, welches auch bis Vereinsgründung die Schirmherrschaft übernahm. Die Leiterin des Freizeitheimes war damals Frau Kari Pryser­Meister aus Norwegen. Auch wenn es heute leider nirgendwo mehr erwähnt ist, so war es doch Frau Pryser­Meister der wohl die Partnerschaft mit der norwegischen Stadt Loerenskog bei Oslo zu verdanken ist.
Am 20.12.1973 gab unsere Theatergruppe ihr Depüt bei einer Weihnachtsfeier der TU­Garching. Bei nicht gerade angenehmen Temperaturen, 19 Grad minus warns, Maibaum Übergabe bepackte man einige Pkw's mit Kulissen und sonstigem Inventar und fuhr zur TU. Wenn man an die Improvisationskunst der damaligen Idealisten denkt, dann tut so manchem der jetzige Perfektionismus manchmal fast ein bisschen weh.
So ein erster öffentlicher Auftritt vor dem Publikum hat es in sich. Man spricht doch immer von den Brettern, die die Welt bedeuten ­nun, unsere bedeutungsvollen und hoffnungsvollen Bretter standen damals auf einem sehr wackeligen Fundament: das kann man von Obstkisten mit ruhigem Gewissen behaupten.
Wichtiger war für uns der lang anhaltende Beifall nach der Aufführung. Er bestätigte uns die richtige Auswahl des Stückes und die guten Leistungen der Akteure. Niederlegn
Einen Einsager hatten wir damals noch nicht. Die Kostüme entliehen wir uns von der Münchner Staatsoper. Rückblickend glaube ich, dass diese erste Aufführung des damaligen Theaterkreises das größte Weihnachtsgeschenk für alle Beteiligten war. Ein zweites und drittes Engagement war zu dieser Zeit bereits sicher. Am 22.02.1973 lud uns der VfR Garching zu einer Aufführung in den Riegersaal ein. Unser Thoma­Stück wurde bei dieser Weihnachtsfeier mit stürmischem Beifall aufgenommen. Auch die ersten Gagen an die Spieler waren ein Zeichen der Anerkennung. Unsere ersten zwei Erfolge sprachen sich schnell herum, so dass wir bald ein drittes Mal auftraten. Dies war der Beginn und zugleich die Weihnachtssaison 1973/74.

Bis zum Frühjahr 1974 hatten wir bereits 14 Mitglieder (auch viele Münchner darunter), das bedeutete, wir konnten zur Bürgerwoche 1974 ein größeres Stück einstudieren: einen Dreiakter von Sepp Faltermaier mit dem Titel: "Gewitterwolken überm Bernleitnerhof".

1. 2. Die ersten Jahre



Bis jetzt hatten wir uns mit Faltkulissen vom Freizeitheim begnügt, doch ein Dreiakter auf der Bühne im Riegersaal erforderte Kulissen anderer Dimensionen. Nun fingen wir an Kulissen zu bauen. Das Freizeitheim wurde einige Wochen in eine Schreinerei bzw. Künstlerwerkstatt umfunktioniert. Alles legte Hand an und so mancher entpuppte sich als wahrer Künstler. Voller Stolz stellten wir die selbstgebauten Kulissen, mit Fenster und Türen im Frühjahr auf die Neuwirtsbühne. Die Proben liefen auf Hochtouren. Die Utensilien wurden zusammengebettelt, zu leihen genommen oder durch das Freizeitheim gekauft. So mancher Akteur musste einige Wochen auf seinen gewohnten Tisch oder Stuhl verzichten, sie wurden auf der Bühne notwendiger gebraucht. Leihkostüme aus der Staatsoper wurden Waschkorbweise abgeholt, die alten Garchinger wurden mobilisiert im Speicher gründlich Inventur zu machen und Ausschau nach Hosenträgern, Sockenhalter, Kragenknöpfen, Stehkragen, Ringelsocken, Kopftüchern, Pumphosen usw. zu halten.

Am 12.07.1974 also zur Bürgerwoche, ging im "Riegersaal" die 1.Aufführung des Dreiakter "Gewitterwolken überm Bernleitner Hof" über die Bühne. Die Bühnengestaltung, den Ton und die Beleuchtung machten wir in Eigenregie. Der Saal beim "Neuwirt" war stets restlos ausverkauft. Erwähnt sei noch, dass der Baer Peter eine der schwersten Rollen spielte. Und ausgerechnet ihm, der sonst in seinem Text immer sattelfest war, passierte bei der 2.Aufführung ein Malheur. Er saß am Tisch mit seinem "Altknecht" ­ plötzlich war der Dialog weg. Doch Peter überspielte diese Situation blendend, indem er laut zu sich selbst sagte: "Oh je, was red i denn heit wieder für an Schmarrn!" Und schon fand er auch den Faden wieder.

Nach ca. zweimonatiger Pause liefen bereits die Proben wieder an. Der VfR Garching lud uns zur Weihnachtsfeier 1974 für zwei Aufführungen im "Riegersaal" ein. Unsere Gruppe sorgte mit einem Einakterfür gute Unterhaltung.

Allmählich bewegten wir uns in einem festen Programm, d.h., wir probten Aufführungen zur Weihnachtszeit und zur Bürgerwoche. Dazwischen blieb nicht allzuviel Zeit zum Ausruhn; denn neue Stücke wurden besprochen, die Kulissen und das Mobiliar wurden auf den neuesten Stand gebracht und beim "Rieger" wurde im Keller unter der Bühne eine kleine bauliche Veränderung vorgenommen. Der Raum wurde aufgeteilt, so dass wir Leihgaben und sonstige Wertgegenstände unter Verschluss nehmen konnten. Eng ging es damals unter der Bühne her, bis zu 15 Personen quälten sich auf ca 10qm. Auf dieser Fläche spielte sich alles ab, vom An- bzw. Umkleiden bis hin zum Schminken.

Für den 27.06.1975, also zur Bürgerwoche, studierten wir den Einakter von Maximilian Vitus ein, der Titel hieß: "Warnung vor dem Hunde". Parallel liefen zwei Sketche von Karl Valentin und Adolf Gondrell über die Bühne.

Dann vergönnten wir uns eine größere Verschnaufpause. Erst im Frühjahr 1976 entschieden wir uns für ein größeres Stück von Martin Dornreiter, mit dem viel versprechenden Titel "Die Giftspritz'n vom Bründlhof". Gleichzeitig konnten wir einige Neuzugänge bei der Bauernbühne verbuchen. Das Gift wurde verspritzt am 2.7. und 10.7.. Am 17.07,1976 hatten wir unser 1.Auswärtsgasstspiel in Neufahrn. Der große Treck mit Kulissen, Möbeln und sonstigen Utensilien setzte sich am 16.07. in Bewegung. Der Saal beim Fischerwirt war für uns sehr ungewohnt und so wurde auf Teufel komm raus improvisiert. Der Eingang zur Bühne erfolge durchs Fenster in den Hinterhof.

Kurz bevor der Vorhang aufgeht, ist die Spannung bei allen am höchsten. Jeder hat da so seine Eigenheiten. Der eine lernt verzweifelt noch eine Szene, die ums Verrecken nicht in den Kopf will, der andere stellt sich taubstumm, ihm liegt der 1.Akt, 5.Szene schon immer schwer im Magen. Wieder ein anderer braucht vor seinem Auftritt mindestens eine Flasche Wein, damit er vergisst, dass im Saal kritische Augen auf ihn lauern. Die Spannung war bei allen damals hoch; denn 5 Minuten vor Beginn war von unserem Souffleur weit und breit nichts zu sehen. Ohne Souffleur spiel ich nicht, tat da jemand kund. Ein Vorschlag aus der Reihe verpflichtete den Spielleiter in das kleine Kabäuschen vor der Bühne zu gehen und den Spielern wenn nötig, einzusagen. Dies geschah dann auch, nur benahm er sich nicht so wie es die Spieler gewöhnt waren, er soufflierte zu leise und hatte alle Hände voll zu tun mit den lästigen Fliegen, welche sich am Einsager gütlich taten. Die Liesl Bergmann trat mitten unter der Szene vor den Einsager hin und herrschte ihn an: "wennst du ned lauter eisagst, dann hör ich's spuin auf, dass das glei woast"!
Gott sei Dank ging dieses Stück trotz des schlechten Einsagers sehr gut und der Szenenapplaus war uns sicher. Die Einnahmen in Neufahrn reichten aber gerade für das leibliche Wohl nach der Aufführung. Eine Mark Reingewinn war zu verbuchen!

Am 07.12. und 11.12.1976 brachten wir den Einakter von Willibald Eckl mit dem Titel: "Da legst die nieder" zur Aufführung. Eingeladen hat wieder der VfR zum Weihnachtsfest beim "Neuwirt". Am 17.12.1976 wiederholten wir diesen Einakter ein drittes Mal in Ismaning. Der Verein Solidarität verpflichtete unsere Gruppe bei guter Gage zu einer Abschlussfeier. Das Publikum in Ismaning, überwiegen aus Kindern und Jugendlichen, benahm sich sehr unruhig. Wieder ging der Liesl der Gaul durch. Inmitten des Akts ging sie an den Bühnenrand und schrie: "Krutzitürken, wenn'ds net glei stad seids, hean mia auf!" Das wirkte, man konnte wieder spielen.

Die 15.Aufführung seit Bestehen der Theatergruppe "Freizeitheim" war ein Dreiakter: "Da is der Wurm drin" von Maximilian Vitus. Dieses Stück wurde zur Bürgerwoche 1977 aufgeführt. Nur die nun mehr größere Mitgliederzahl der Theaterbühne erlaubte es diesen Dreiakter zu bringen. 10 Spieler wurden verpflichtet die Rollen zu lernen. Alle drei Aufführungen waren bis zum letzten Platz ausverkauft.

Für den 10.10.1977 wurden wir gebeten, ein Stück bei einer Ärztefeier in Ismaning zum Besten zu geben. Da wir bereits für die Weihnachtsfeier 77 was größeres probten, griffen wir auf unseren bewährten Thoma "Die kleinen Verwandten" zurück. Bei einer kleinen Künstlergage brachten wir die Gäste in gute Stimmung. Die halbe Gage hätte auch gereicht ­ da der Einakter verunglückte und mit einem "Hänger" beinahe zu einem Halbakter wurde. So geht's halt, wenn man ohne die wichtigste Person ­ den Souffleur­ Theater zu machen gedenkt.


1. 3. Die Vereinsgründung



Mit der 18.Aufführung seit Bestehen der Theaterbühne Freizeitheim ging eine Ära zu Ende. Das Freizeitheim hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Schirmherrschaft über die Theatergruppe. Das sollte sich auf Drängen mehrerer Mitglieder bald ändern.

Am 20.10.1977 trafen sich alle Mitglieder in der Postgaststätte, um einen selbständigen Verein zu gründen. Ein historischer Tag. Die Mitgliederzahl betrug zum Zeitpunkt der Vereinsgründung 23 Personen. Im Oktober 77 wurde unser frischgebackener e.V. durch den Notar beurkundet.

Schwere Zeiten brachen für uns an. Der Papierkrieg begann mit aller Härte, der Fiskus tat das Übrige, uns wurde mit der Selbständigkeit erst klar, dass es jetzt außer Theaterspielen auch noch administrative Arbeiten in rauen Mengen gab.

Am 17./18. und 26.12.1977 krähte der "Saisongockl" im Riegersaal. Geschrieben hat diesen Dreiakter F.L. John. Die Leitung oblag dieses Mal unserem Mitglied Ernst Graßy. Bei ausverkauftem Saal spielten wir uns schnell in die Herzen der Zuschauer.

Zum ersten Mal spielten wir Geld in unsere eigene Kasse. Im Mai 1978 riskierten wir gleich vier Aufführungen. "Der ehrliche Lügner" so las man es auf den Plakaten und Hauswurfsendungen. Anton Schuler war der Autor dieses heiteren Dreiakters. Parallel zu diesen Maiaufführungen probten andere Mitglieder der Bühne bereits einen Dreiakter für die Bürgerwoche 78. Es ging rund beim e.V.! Sämtliche aktiven Mitglieder wurden zu Rollen verpflichtet, wir hatten zu dieser Zeit 41 eingetragene Mitglieder. "Der ehrliche Lügner" kam so gut an, dass wir uns sogar überlegten ein fünftes Mal zu spielen. Die Begeisterung der Zuschauer wuchs von Aufführung zu Aufführung. Einige Zuschauer fragten nach der Vorstellung wie viele Profis wir verpflichtet hätten, so gut waren die Leistungen der Künstler.

Die Stücke wurden immer schwerer, die Aufführungen immer zahlreicher, gelernt wurde fast das ganze Jahr hindurch, unterbrochen von mehreren Vorstandssitzungen, ordentlichen und außerordentlichen Mitgliederversammlungen. Wenn der Eine oder Andere mal nichts zu tun hatte, traf man sich montags zum Künstlerstammtisch beim Rieger.

Zur Bürgerwoche im Juli 1978 waren wir sehr optimistisch und gaben fünf Theateraufführungen bekannt. Mit dem Dreiakter von Maximilian Vitus "s'Herz in der Lederhosn" trafen wir abermals ins Schwarze.

Mittlerweile nahm auch unser Fundus ansehnliche Dimensionen an, so dass wir in drei Stellen einlagern mussten. Die Mitgliederzahl erhöhte sich auf 45 Personen. Am 13.10.1978 war der Dreiakter von Peter Jehl bühnenreif. Mit dem Titel "Heiter bis wolkig" erfreuten wir ein großes Publikum. Mit 6 Aufführungen im Riegersaal übertrafen wir alles, was bisher über die Bühne ging. Die Kritiken in verschiedenen Zeitungen sprachen für sich. Aus einem Interview von ca. 20 Minuten entstand eine ganze Seite im Münchner Merkur. Wieder ging eine Ära zu Ende, man kann sie als einen zweiten Abschnitt der Garchinger Bauernbühne einordnen. 34 Aufführungen hatten wir mit dem 25.11.1978 zu verzeichnen, davon eine in Neufahrn, zwei in Ismaning, eine in der TU, und dreißig Mal ging der Vorhang im Riegersaal auf.


1. 4. Der Umzug ins Bürgerhaus



Mit dem 20.Oktober 1978 lief die Amtszeit der Vorstandschaft ab. Eine schwere und arbeitsreiche Zeit stand der Bauernbühne bevor. Das Bürgerhaus nahm Formen an. Der 1.Vorsitzende Ludwig Fuß war wegen der dort geplanten Bühne mehr an der Baustelle als in seinem Beruf. Probleme über Probleme kamen auf uns zu, denn schließlich wollten wir ja zur Einweihung im Mai 1979 Premiere im neuen Hause machen. Das Stück stand bereits im Herbst 1978 fest, es sollte der Dreiakter von Sepp Faltermaier sein mit dem Titel "Der Regierungsvetter".

Zum erstem mal hatten wir die Möglichkeit, mehrere Bühnenwechsel vorzunehmen, was im Riegersaal aus Gründen des kleinen Platzangebotes nicht möglich war. Ein Wechsel der Bühnenbilder setzt logischerweise eine ausreichende Zahl von Kulissen voraus.

Das größte Problem seit Bestehen des Vereins tat sich auf. Das alte Kulissenmaterial konnten wir vergessen, denn die Ausmaße der Bühne im Bürgerhaus erforderten völlig andere Überlegungen in Bezug auf Kulissen und Ausstattung. Es wurde geplant, gerechnet, kalkuliert, ein Modell wurde entworfen, Sitzungen und Besprechungen wurden anberaumt. Preise wurden eingeholt, einige Besichtigungen in großen Münchner Schauspielhäusern wurden gemacht, wie es am schnellsten und am billigsten zu schaffen ist. Es wurde eingekauft, von Holz über Nägel und Werkzeug, bis zu einigen Maschinen. Dank der Großzügigkeit unseres Bürgermeisters Herrn Karl, durften wir uns im Bauhof eine kleine Werkstatt einrichten. Dort ging es ab Frühjahr 1979 rund. Jede freie Stunde wurde zum Bau der Kulissen verwendet. So mancher Büromensch verstand es, nach mehrwöchiger Werklerei selbständig einen Nagel ins Holz zu schlagen. Es ging alles einigermaßen reibungslos über die Bühne, nur ein Mitglied brachte versehentlich die große Zehe unter die Arbeit. Sie hielt diesen Arbeitsdruck nicht aus und brach einige Male. Außer dieser lädierten Zehe unseres Kollegen wurde jedoch alles zum Frühjahr 1979 pünktlich fertig.

Der große Umzug vom Bauhof ins Bürgerhaus begann. Doch Aufbau und Proben im neuen Haus konnten noch lange nicht stattfinden. Das Innere des Kulturpalastes glich einer Großbaustelle. Wir machten den Verhau mit unserer Unmenge an Kulissen und sonstigem Inventar noch schlimmer, indem wir die Teile am Boden auslegten und zu streichen begannen und die Scharniere verbohrten. Das Chaos war beinah perfekt. Der Lärm bis tief in die Nacht hinein erlaubte nicht einmal Ansätze einer Sprach­ bzw. Bühnenprobe. Wir mussten aber proben und proben, alles in diesem Hause war für uns neu. Die letzte Rettung war wieder einmal die Gemeinde Garching. Großzügigerweise durften wir bis kurz vor der 1.Aufführung am 30.Juni 1979 die Proben im Altenheim abhalten. Unser Vorstand Ludwig Fuß war der Letzte, der das Bürgerhaus am Abend verlies und der erste, der es morgens wieder betrat. Zum Schluss war es durchaus üblich morgens um 3 Uhr die Arbeit nieder zu legen um dann um 7 Uhr morgens schon wieder weiterzuarbeiten. Am 30.Juni 1979 war unser großer Tag. Um 20.00 Uhr ging der Vorhang auf für den "Regierungsvetter". Ein schwieriger Weg war bis dahin zurückgelegt. Als ca. 550 Zuschauer mit Applaus und etlichen Vorhängen uns beglückten, fanden wir, dass alle Strapazen sich gelohnt hatten.

Bei der Bürgerwoche 1979 beteiligte sich die Garchinger Bauernbühne zum dritten Mal am Festzug. Dies war ein Grund uns einmal ganz anders darzustellen. Sechs Stunden vor Beginn des Festzuges hatten wir noch keine exakte Idee, was wir auf den Tieflader, den wir großzügigerweise mit Traktor durch die Beziehung unseres Vorstandes Ludwig Fuß zum Zwillingshof, geliehen bekamen, stellen sollten. Wir dachten an die vielen Hindernisse vor unserer Premiere ­und kamen auf einen Gag. Die Transparente auf unserem Wagen sagten aus, worüber wir uns so lange Sorgen gemacht hatten. Die 1.Sation zeigte den Erbauer des Kulturtempels, den Architekten im Bett. Da stand geschrieben "Pst, der Architekt schläft" 2.Station: "Baustelle Bürgerhaus" 3.Station: "Ruhe, Bauernbühne probt". Die Jury honorierte diese Kritik mit dem 3.Preis.

Mit dem Fünfakter "Der Müller und sein Kind" ging die Spielsaison 1979 zu ende. Unter der neuen Regie von unserem Kulturreferenten, Herrn Günter Mayr, wurde das bis jetzt schwerste und anspruchvollste Stück in fünf Aufzügen gebracht.

Kaum hatte man den Müller mit seinem Kind vergessen, schlug man sich bereits mit dem Text von Ludwig Thoma herum, denn die Bürgerwoche 1980 sollte dem Thoma gewidmet werden. Gesagt, getan! Man fing abermals zu lernen an. Diesmal bestanden die vier Aufführungen aus drei Einaktern, welche eine Heerschar an Spieler erforderten.

Viermal Thoma­Abend im Bürgerhaus zur Bürgerwoche 1980, viermal voller Saal, das schaffte uns ganz schön. Auch hinter den Kulissen spielte sich jedes Mal ein Drama ab! Der eine sucht noch einen Schuh, welcher zu dem, den er bereits anhat, passt. Im Schminkraum, bei Frau Seubert, stehen bereits ab 18.00 Uhr die ersten an, um das Make­up und eine entsprechende Perücke zu empfangen. Viel wird hier gepudert, gecremt und gesprüht. So mancher erkennt sich anschließend selbst nicht mehr. Irgendwer sucht vergebens seine Hosenträger, welche bei den letzten Aufführungen ihren Dienst noch recht gut erfüllten. Wie gesagt, man könnte bei jedem Stück ein Buch darüber schreiben mit dem Titel "Theater hinter den Kulissen". So erinnern wir uns an die letzte Thoma­Aufführung, da geschah es, dass unser Schauspieler Sepp Hauck, einfach nicht erschien. Man wurde nervös und rätselte wo er nur bleibe, aber eine Viertelstunde vor Beginn des 3.Aktes "Die Medaille" fanden wir uns mit seinem Nichterscheinen ab. Unser Spielleiter gab dem Publikum bekannt, dass leider ein Akteur nicht käme. Es wurde aber trotzdem gespielt, und das ging so; unser 1.Vorstand, der Wiggerl Fuß, suchte sich in aller Eile ein Kostüm (wenn auch die Lederhose einige Nummern zu groß war!) lernte das wesentlichste vom Text und ging als Ersatzmann auf die Bühne hinaus. Sepp Hauck, dass sei der Vollständigkeit halber noch gesagt, erschien dann am nächsten Tag, als wir alle bereits abgebaut hatten und bei der verdienten Brotzeit im Restaurant des Bürgerhauses saßen. Er hatte sich um einen Tag vertan. Nach dem im Saal an diesem Nachmittag eine größere türkische Feier stattfand, erzählten wir ihm erst, dass unsere Vorführung ausfallen müsse, da der Saal bereits anderweitig vergeben war. Er glaubte dies auch, bis wir ihn aufklärten und ihm mitteilten, dass er einen Tag zu spät zum spielen käme. Wer die Getränke zu unserer Brotzeit zu zahlen hatte, braucht nicht extra erwähnt zu werden.

Es sei noch erwähnt, dass die Schauspieler der Garchinger Bauernbühne es nicht nur verstehen gutes Theater zu machen, sondern auch den Mut und die Geschicklichkeit aufbrachten, einem anderen Verein nach guter Manier den Maibaum zu klauen. Dies widerfuhr im April 1978 dem Kleingartenverein "Vorwärts" aus München Nord. Nach langem Versteckspiel wurde der Baum mit einem Tieflader, dem Inhaber des Zwillingshofes Eduard Warter sei Dank, mit Musik Richtung Freimann zurückgebracht, bei einer entsprechenden Ablöse versteht sich.

1979 trat unser Verein einer großen Bühnenvereinigung bei. Das ermöglichte uns, Mitglieder zu Lehrgängen zu entsenden. 1979 flog Günter Mayr mit Ludwig Fuß am Steuerknüppel nach Bonn um dort Besprechungen für eine Aufführung zu führen. So war geplant, das Bayerische Volksgut über die bayerischen Grenzen hinaus besser bekannt zu machen. Leider wurde dann aus der Aufführung nichts. Unser Verein zählt zur Zeit 46 eingetragene Mitglieder.